Was ist eigentlich Ginger Beer ? Ein Bier?

Einige Gin-Cocktails enthalten als Zutat Ginger Beer, wie z.B. der Gin-Cocktail Danziger Esel. Doch was ist Ginger Beer überhaupt? Ein Bier? Ist da Alkohol im Ginger Beer?

Ginger Beer ist eine Limonade

Unter Ginger Beer versteht man heute in Deutschland kein Bier, sondern eine – zumeist – alkoholfreie Limonade und damit ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk. Übersetzt würde Ginger Beer zwar Ingwer Bier heißen, aber es ähnelt dem in Großbritannien üblichen Ginger Ale, enthält aber mehr Ingwer und ist deshalb im Geschmack intensiver. Bei den in Deutschland üblichen Ginger Beers sind zumeist Zitrussäfte beigemischt und es ist zumeist trüb, was es auch vom Ginger Ale unterscheidet.  Ginger Beer ist also kein Bier, sondern eine Limonade.

Kein Chinin im Ginger Beer

In den meisten Ginger Beers ist überdies kein Chinin enthalten, was es von einem klassischen Tonic Water unterscheidet.

Entstehungsgeschichte des Ginger Beers

Der Ursprung des Ginger Beers lässt sich bis in das 18.Jahrhundert zurückverfolgen, ex existieren Nachweise britischer Exporte von Ginger Beer in die britischen Kolonien in Nordamerika. Ursprünglich enthielt Ginger Beer wohl rund 11% Alkohol und wurde ähnlich wie Bier oder Wein fermentiert. Man reduzierte allerdings bereits im 19.Jahrhundert den Alkoholgehalt auf unter 2%. In Großbritannien wurde das Ginger Beer oftmals sogar selber gebraut. Zur Herstellung benutzte man einen Hefepilz Saccharomyces florentinus und eine Bakterienkultur Lactobacillus hilgardii.

Rezept für Ginger Beer aus 1939

Anfang des 20.Jahrhunderts nennt Charles Baker ein klassisches Ginger Beer Rezept zur Herstellung des alkoholfreien Ginger Beers:

  • 2,5 Pfund Zucker
  • 2 Unzen Zucker
  • 1/2 Unze Weinstein
  • 2,5 Gallonen kochendes Wasser
  • Saft und Schale von 4 Zitronen
  • 2 Teelöffel frische Brauhefe

Wem es dann noch nicht süß genug sei, der könne noch Zucker hinzugeben

Ginger Beer populär im 19.Jahrhundert

In Großbritannien haben im ausgehenden 19.Jahrhundert viele Händler und Verkäufer vom Verkauf selbstgebrauten Ginger Beers gelebt. Es finden sich z.B. im Buch Street Life in London von Adolphe Smith ausführliche Schilderungen zu dem Ginger Beer Business zur damaligen Zeit. Der jährliche Absatz wird auf rund 5,5 Millionen 0,25 Liter Portionen Ginger Beer im Jahr geschätzt. Im Buch wird geschildert, dass vor allen Dingen Marktteilnehmer aus den Unterschichten gerne im Badezuber das Ginger Beer selbst gebraut haben: Auf 3 Pfund Ingwer kamen 40 Liter kochendes Wasser, dazu nach dem Kochvorgang Zitronensäure, Nelke, Hefe und Zucker.

Zahlreiche Ginger Beer Hersteller

Anfang des 20.Jahrhunderts gab es in den USA rund 300, in Kanada rund 1000 und in Großbritannien ca. 3000 Ginger Beer Brauereien.

In Deutschland ist Ginger Beer noch gar nicht so lange auf dem Markt

In Deutschland ist Ginger Beer noch gar nicht so lange auf dem Markt verfügbar und teilweise heute in einigen Regionen noch schwer erhältlich. Bereits früher wurde ein Ginger Ale des Herstellers Schweppes nach Deutschland eingeführt, was im Vergleich zum Ginger Beer milder schmeckt (weniger Ingwer). Nachdem die Cocktails Dark and Stormy und Moscow Mule populärer wurden, die Ginger Beer beinhalten, wurde nach der Jahrtausendwende auch Ginger Beer in Deutschland populärer.

Rechtsstreitigkeiten um Ginger Beer

Die Einführung in Deutschland wurde allerdings von Rechtsstreitigkeiten rund um das Ginger Beer begleitet.

Nachdem der Tonic Water Hersteller Thomas Henry im Jahr 2010 das erste in Deutschland hergestellte Ginger Beer auf den Markt brachte, wurde ihm bereits im Jahr 2011 vom Landgericht Berlin der Vertrieb unter der Bezeichnung Ginger Beer verboten, was vom Kammergericht in der Berufung 2012 bestätigt wurde. Der Begriff “Beer” sei irreführend und damit unlauterer Wettbewerb, da es sich gar nicht um ein Bier im klassischen Sinn handele. Thomas Henry nannte da Produkt anschließend in Spicy Ginger um. Kurz danach führte allerdings Schweppes ein ähnliches Produkt ein, welches heute unter Schweppes Ginger Beer erhältlich ist. Zahlreiche ausländische Hersteller führen mittlerweile Ginger Beer Sorten nach Deutschland ein. Bei einem Rechtsstreit in 2017 am Landgericht München unterlag jedoch ein Abmahner, der einem Ginger Beer Vertrieb den Ginger Beer – Verkauf ohne Bierbestandteile untersagen lassen wollte. Abweichend vom Jahre zuvor ergangenen Urteil in Berlin erkannte das Landgericht München, dass Ginger Beer mittlerweile in Deutschland üblich ist und der gemeine Verbraucher damit eher eine ingwerhaltige Limonade als ein Bier in Verbindung bringe. Damit würden für Ginger Beer auch nicht die Bestimmungen aus der Bierverordnung gelten. Mit diesem Urteil nahm der Vertrieb von Ginger Beer Sorten in Deutschland zu.

Beliebte Ginger Beer Sorten in Deutschland

In Deutschland sind mittlerweile die folgenden Ginger Beer Sorten besonders beliebt:

  • Thomas Henry
  • Schweppes
  • Fentimans
  • Fever Tree

Es gibt auch einige Ginger Beer-Marken mit geringem Alkoholgehalt, z.B.:

  • Hollows & Fentimans
  • Stoney`s
  • Crabbie´s

Klosterbrauerei Neuzelle stellt Ginger Bier her

Zu unterscheiden von den klassischen Ginger Beers ist das von der Klosterbrauerei Neuzelle hergestellte Ginger Bier, welches ein Biermischgetränk darstellt, was sich aus hellem Bier mit Zucker und Aromastoffen zusammensetzt. Für Gin-Cocktails ist das eher ungeeignet.

Zutaten heutiges Ginger Beer

Der Blick auf die Zutatenliste eines heutigen Ginger Beers (hier Schweppes) macht deutlich, dass dort weder Alkohol noch Chinin enthalten ist: Die Hauptbestandteile sind Wasser, Zucker, Kohlensäure, dazu natürliches Aroma (vermutlich Ingwer), Apfelsäure, Zitronensäure und Apfelkonzentrat. Eine klassische Limonade.

Ginger Beer Zutaten - Schweppes
Ginger Beer Zutaten – hier die des Anbieters Schweppes

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